Energiewende

Für den Erhalt der Pumpspeicherwerke kämpfen

Am Pumpspeicherwerk Hohenwarte haben mehrere hundert Mitglieder der IG BCE – zu einem Großteil aus dem Landesbezirk Hessen-Thüringen – gegen den vom Betreiber Vattenfall geplanten Stellenabbau von bis zu 50 Prozent und die drohende Schließung einiger Pumpspeicherwerke demonstriert. Es ist unverständlich, dass dies überhaupt im Raum steht – leisten doch die Pumpspeicherwerke einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der Energiewende.

Michael Bader

Kundgebung am Pumpspeicherwerk Hohenwarte am 31. August 2017
05.09.2017
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„Energiewende braucht Pump-Speicher“ steht auf den T-Shirts, die die Vattenfall-Beschäftigten tragen, die sich vor dem Verwaltungsgebäude des Vattenfall-Pumpspeicherwerks versammelt haben. Einige von ihnen halten Pappschilder hoch, „Sichere Arbeitsplätze = Gute Arbeit“ steht auf einem. In einer Reihe haben sich drei junge Demonstranten aufgestellt, nebeneinander gehalten ergeben ihre Schilder den Satz: „Energiewende nur mit Pumpspeichern und qualifizierten Mitarbeitern“. Eine klare Botschaft.

Michael Bader

Kundgebung am Pumpspeicherwerk Hohenwarte am 31. August 2017
Die Technik der Pumpspeicherwerke ist alt. Und trotzdem bestens dazu geeignet, eines der größten Probleme der Energiewende in den Griff zu bekommen: Die fehlende Kontrolle darüber, wann wie viel Strom produziert wird. Das Prinzip, nach dem die Werke arbeiten, ist einfach und effizient: Wenn zu viel Strom im Netz ist, nutzen ihn die Pumpspeicherwerke, um Wasser in ein – meist auf einem Berg gelegenes – Becken zu pumpen. Wird mehr Strom benötigt, als produziert wird, lässt man das Wasser wieder ab, treibt damit Generatoren an und speist den Strom ins Netz ein. Früher brauchte man diese Anlagen, um nachts produzierten überschüssigen Strom zu speichern und ihn dann zu den Zeiten des höchsten Verbrauchs mittags und abends wieder freizugeben. Heute speichern die Anlagen, wenn durch Wind- und Sonnenenergie zu viel Strom im Netz ist und speisen ein, wenn die erneuerbaren Energiequellen nur wenig liefern. Die Speicherkraftressourcen der Pumpspeicherwerke in Thüringen gehören zu den größten in Deutschland.

Absurd, dass die Betreiber überhaupt über die Abschaltung solcher Anlagen nachdenken. "Bislang haben Experten aus Wirtschaft und Politik immer betont wie wichtig das Zwischenspeichern von Energie für den Erfolg der Energiewende in Deutschland sei. Deshalb ist es unverständlich und inakzeptabel bestehende Kapazitäten nicht mehr nutzen zu wollen.  Wenn die Energiewende gelingen soll, brauchen wir keinen Abbau, sondern einen Ausbau von Pumpspeicherwerken in Deutschland", sagt dazu Volker Weber, Landesbezirksleiter Hessen-Thüringen. "Wir erwarten in dieser politischen Frage das die Unternehmen an unserer Seite stehen und nicht die Flucht aus dieser wichtigen Technologie ergreifen."

Michael Bader

Kundgebung am Pumpspeicherwerk Hohenwarte am 31. August 2017
Vattenfall plant, einen Teil der Pumpspeicherwerke zu schließen und an den anderen bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze abzubauen. Damit ist auch der ordnungsgemäße Betrieb dieser Anlagen gefährdet, sagte der Betriebsratsvorsitzende Marko Fischer bei der Kundgebung: „Wir sind nicht der Meinung, dass sich unsere Anlagen sicher betreiben lassen mit dem angekündigten – unserer Meinung nach zu geringen – Personalbestand.“ Er forderte den Konzern auf, zu seiner Verantwortung gegenüber den Beschäftigten zu stehen: „Wir werben dafür, langfristig zu denken, auch an die Ausbildung zu denken, und nicht diese Masse an Personal abzubauen. Wenn Personalabbau unumgänglich sein sollte, dann werben wir dafür, dass das sozialverträglich passiert.“ Eine Möglichkeit dazu sei zum Beispiel Altersteilzeit.

Michael Bader

Kundgebung am Pumpspeicherwerk Hohenwarte am 31. August 2017
Das Problem von Vattenfall: Die Pumpspeicherwerke machen Verluste. Das liegt vor allem daran, dass der Preisunterschied zwischen Zeiten der Überproduktion von Strom und des erhöhten Bedarfs nicht mehr so groß ist, wie er vor einigen Jahren noch war. Die Pumpspeicherwerke müssen sich aber über genau diesen Unterschied finanzieren, während die Produzenten von Wind- und Solarstrom hoch subventioniert werden. Unterstützung dafür, dass sich die von der Politik gesetzten Rahmenbedingungen ändern könnten bekamen die Beschäftigten von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. „Wasserkraft und Pumpspeicherkraft müssen am Strommarkt anders als derzeit platziert und dürfen nicht ständig mit einer unsachlichen Erzählung über vermeintliche Subventionen negativ belastet werden“, schrieb er in einem Brief, der bei der Kundgebung verlesen wurde.

Gefragt ist aber auch Kreativität im Unternehmen: „Wir erwarten, dass sich unser Management aktiv Gedanken über die Generierung von Einnahmen und das Erschließen von neuen Geschäftsfeldern macht“, sagte Marko Fischer. „Es gibt verschiedene gute Ansätze, die kennen wir auch, deren Untersuchung auf Machbarkeit sollte aber schneller zu Ergebnissen führen. Wir haben nicht viel Zeit!“

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