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13.12.2017

Klartext Juni 2020

Solidarisch ist man nicht alleine

Gewerkschaften sind keine Behörden, sondern Mitgliedsorganisationen. Wie aber wirbt man Mitglieder in Coronazeiten? Darüber berichten wir in dieser Ausgabe des KLARTEXT. Außerdem bieten wir Informationen zum Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Wirtschaft, zu neuen Regelungen in der Weiterbildung, zum Arbeitsschutz und zum unterschiedlichen Verständnis von Solidarität in deutschen Chefetagen. Hier geht es direkt zum kostenlosen Download.

Titel Klartext Juni 2020

Vor einigen Jahren hat eine unserer Partnergewerkschaften im DGB einmal eine Straßenumfrage zum Gewerkschaftsbild durchgeführt. Die Ergebnisse waren ernüchternd: Fast ein Drittel der Deutschen hält Gewerkschaften für staatliche oder staatlich geförderte Institutionen, vergleichbar der Arbeitsagentur. Sie wissen gar nicht, dass man dort Mitglied werden kann.

Wobei „kann“ das Prinzip nicht wirklich treffend beschreibt. Denn am Ende ist es ein „muss“. Nicht für den Einzelnen, aber für die Existenz der gewerkschaftlichen Strukturen. Ohne Mitglieder gibt es keine Gewerkschaften. Und ohne Gewerkschaften gäbe es in Deutschland weder Betriebsräte noch Kündigungsschutz, es gäbe kein Urlaubsgeld, ja nicht einmal eine bezahlbare Krankenversicherung.

Ein Blick in andere Länder zeigt: Dort, wo es nur schwache Gewerkschaften gibt, wurden zum Beispiel in der Corona-Krise über Nacht Millionen von Menschen einfach auf die Straße gesetzt, ihre gerade in der Pandemie so wichtige Krankenversicherung fristlos gekündigt. Zum Beispiel in den USA bleibt vielen Beschäftigten nur noch die Suppenküche.

Dass es bei uns in Deutschland anders aussieht, nehmen wir als selbstverständlich hin. Ebenso wie die Existenz unserer Gewerkschaften. Doch  die können eben nur so viel erreichen, wie es ihrer Stärke entspricht.

Und jetzt sprechen wir über Corona: Schon jetzt wird erkennbar, dass die Investoren und Anteilseigner die Boxhandschuhe auspacken. Sie fordern vom Staat massive Beihilfen, sie fordern aber auch die Lockerung von gesetzlichen Rahmenbedingungen. Der erste Industrieverband hat bereits eine Liste von 100 „überflüssigen“ Gesetzen vorgelegt, die er kassiert haben möchte. „Überflüssig“ ist aus Sicht mancher Akteure dabei nicht nur die ein oder andere Umweltauflage sondern auch die Arbeitszeitverordnung, das ein oder andere Mitbestimmungsrecht und der Kündigungssschutz. Gleichzeitig werden für die anstehenden Tarifverhandlungen „Nullrunden“ gefordert.

Wir sehen also: In den kommenden Monaten werden starke Gewerkschaften wichtiger werden. Vieles, was wir für selbstverständlich halten, müssen wir verteidigen oder neu erkämpfen.

Doch aktuell erleben wir eine weitere Folge von Corona: Es gibt deutlich weniger Kommunikation im Betrieb, weniger Chancen zu spontanen Gesprächen.

Dort, wo selbst Betriebsräte nur noch per Videokonferenz tagen, werden die alltäglichen Werbegespräche keine Selbstverständlichkeit mehr.

Das aber kann zu einer fatalen Entwicklung führen: Auf der einen Seite zunehmend aggressivere Erwartungen von Arbeitgebern. Auf der anderen Seite ausblutende Gewerkschaften.

Können wir uns das leisten? Das können wir nicht. Eigentlich müssten wir intensiver denn je um neue Mitglieder ringen. Doch wie kann das gehen?

Es wird nur funktionieren, wenn wir möglichst schnell in möglichst allen Betrieben die Mitgliederwerbung so ernst nehmen wie die Corona-Pandemie. Auch die haben wir nicht einfach ausgesessen. Warum also keine „Task-Force“ Mitgliederwerbung einsetzen? Warum keine Webinare zu den Vorteilen einer Mitgliedschaft anbieten? Warum nicht Kolleginnen und Kollegen systematisch per Email ansprechen? Mitglied kann man auch online werden. Hier der Link zu unserem Aufnahmeformular.

Diesen Link können, ja müssen wir massenhaft verbreiten. Er gehört jeden Tag in jede WhatsApp- oder Facebookgruppe in jedem Betrieb.

Und wenn jetzt langsam wieder Kollegengespräche möglich werden, dann sind das die ersten Gespräche, die wir führen sollten.

Denn, auch wenn es schwierig ist: Mitgliederwerbung ist gerade jetzt die einzige  Garantie dafür, dass es, wenn es wieder besser wird, nicht schlechter wird.