Klartext Ausgabe 39 / Dezember 2019

Wann herrschen die Computer?

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine neue Stufe der Digitalisierung, deren Auswirkungen wir heute erst erahnen können. In ihr steckt ungeheures Potential – positiv wie negativ. Ob unsere Arbeit dadurch leichter, interessanter, abwechslungsreicher wird, und das ohne Einkommensverlust, oder ob wir immer und überall arbeiten müssen, immer erreichbar für Arbeit- und Auftraggeber, eingespannt in ein nie zur Ruhe kommendes Netz globaler Wertschöpfung? Antworten darauf bietet der neue KLARTEXT - und wie immer vieles mehr. Hier geht es direkt zum kostenlosen Download.

Titel Klartext Dezember 2019

Intelligente Algorithmen verändern die Lebens- und Arbeitswelt. Sie machen betriebliche  Abläufe effizienter. Sie erleichtern mit smarten Anwendungen den Alltag. Doch wo liegen die Risiken von Künstlicher Intelligenz (KI)? Wie lässt sich ihr Einsatz steuern? Welche
Auswirkungen hat das auf die Arbeitswelt?

Chris Boos, CEO des Digitalisierers arago, glaubt zum Beispiel, dass „alles was als Prozess formuliert werden kann, zukünftig von KI erledigt wird“. Durch die Automatisierung und den Einsatz von KI stünden Zeit und finanzielle Mittel für Innovation bereit. Deshalb sei es wichtig, KI in der „Bestandswirtschaft einzuführen, um das zu erledigen, was wir heute selbst machen und uns um die Aufgaben und Herausforderungen der Zukunft zu kümmern.“

Aus Sicht von Gewerkschaftern ist diese Einschätzung zumindest naiv, ja sogar gefährlich.

KI bringt neue Risiken

Mit der sogenannten Künstlichen Intelligenz erleben wir eine neue, qualitativ völlig andere Form der Digitalisierung. Wie keine andere wird sie jedoch gleichzeitig über- wie unterschätzt, mit Heilsversprechen aufgeladen und zugleich verharmlost.

Die technischen Möglichkeiten mit KI sind nahezu grenzenlos. Da gibt es Universalübersetzer von beeindruckender Qualität in unseren Smartphones, mündliche Konversation mit Computern ist Realität und autonome Fahrzeuge, die ohne menschliches Zutun durch den Verkehr steuern, befinden sich bereits im Testbetrieb. Nur  wenige Beispiele, die erahnen lassen, was da noch kommen könnte.

Fakt ist, KI kann uns stumpfsinnige, ungesunde und gefährliche Arbeit abnehmen. Wir können uns mehr auf unsere Stärken besinnen, wie Erfahrung, Kreativität und Mitgefühl. Wir können selbstbestimmter arbeiten. Eine US-Studie macht deutlich, wie die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine zum Wohle aller funktionieren kann: Die besten Mediziner haben bei der Diagnose von Brustkrebs eine Fehlerquote von 3,5%. KI liegt bei 7,5% der Diagnosen daneben. Arbeiten Mensch und Maschine Hand in Hand zusammen, sinkt die Fehlerquote auf 0,5%.

KI verändert die Welt

Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) wird die Welt verändern, so viel ist sicher. Doch wer profitiert, wer verliert?

Sicher ist: Beschäftigte werden ihren jetzigen Arbeitsplatz verlieren. Vielleicht wird es einige Berufsgruppen nicht mehr geben. So wie es keine Laternenanzünder, keine Heizer,  Schriftgießer und keine Weber mehr gibt. In manchen Berufen wird es weniger Arbeitsplätze geben, in anderen mehr. Und die Aufgaben werden sich wandeln.

Deshalb müssen wir aufpassen und wichtige Fragen klären: Wem kommen die Gewinne durch KI zugute? Wem gehören unsere Daten? Wer darf sie nutzen? Wird es immer mehr Monopole geben, weil diejenigen die Macht haben, die im Besitz der meisten Daten und der ausgereiftesten KI sind?

KI kann gefährlich sein. Auch deshalb, weil sich die Entscheidungen der KI nicht immer nachvollziehen lassen. Es stecken jedoch immer Menschen dahinter, die KI konstruieren, programmieren und sich zunutze machen. KI darf nicht dafür missbraucht werden, menschliche Verantwortung zu verschleiern. Wir müssen deshalb nicht Regeln für Maschinen aufstellen, sondern für Menschen.

Die neue Technik muss entwickelt, sie muss beaufsichtigt und sie muss beherrscht werden. Das letzte Wort sollte immer der Mensch haben.

Fazit: Nicht die Künstliche Intelligenz an sich ist das Problem, sondern das, was wir Menschen daraus machen.

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