Seminar von IG BCE, DGB und TU Darmstadt

Den Umgang mit sensiblen Mitarbeiterdaten lernen

Wie gehe ich mit sensiblen Mitarbeiterdaten um, die im Rahmen der Digitalisierung und von Industrie 4.0 anfallen? Mit diesem Thema beschäftigten sich knapp 30 Betriebsräte aus verschiedenen Branchen in einem Seminar, das das Institut für Arbeitswissenschaften der TU Darmstadt, der DGB und die IG BCE in Kooperation entwickelt haben. Die IG BCE und die TU Darmstadt wollen diese Zusammenarbeit weiter ausbauen und haben dazu eine gemeinsame Absichtserklärung erstellt.

Katharina Rönick / IAB TU Darmstadt

Die Referenten und Organisatoren des Seminars an der TU Darmstadt Die Referenten und Organisatoren des Seminars an der TU Darmstadt: Michael Reinhart IG BCE, Christopher Stockinger und Katharina Rönick (beide IAB TU Darmstadt), Liv Dizinger (DGB Hessen-Thüringen) (von links)

Wenn Unternehmen ihre Qualität in der Produktion verbessern oder Arbeitsschritte effizienter gestalten wollen, brauchen sie zunächst Informationen darüber, was noch nicht  so gut läuft. Kleine, günstige Sensoren ermöglichen es heutzutage, an einer Vielzahl von Stellen im Produktionsprozess Daten zu erheben. Dabei fallen große Datenmengen an, die natürlich auch ausgewertet werden. Dieser unter dem Begriff „Big Data“ zusammengefasste Prozess liefert die Grundlagen für Prozesssteuerung, Qualitätssicherung und vorausschauende Wartung. Das Problem dabei: Die erhobenen Daten machen nicht nur die Arbeitsprozesse transparent, sondern lassen auch Rückschlüsse auf die einzelnen Menschen in der Produktion zu.

In dem Seminar erläuterten die Arbeitswissenschaftler Katharina Rönick und Christopher Stockinger den Teilnehmern die Bedeutung von Digitalisierung und Industrie 4.0 und stellten eine Reihe von Beispielen aus der Praxis vor. Gemeinsam besuchten die Teilnehmer dann die Prozesslernfabrik der TU Darmstadt. Hier ist ein kompletter Produktionsprozess mittels digitaler Arbeitsmethoden und Werkmittel gestaltet, so dass sich praxisnahes Lernen verwirklichen lässt.

In Kleingruppen schauten sich die Teilnehmer drei verschiedene digitalisierte Arbeitsmittel und Prozesse an. Sie beschäftigten sich damit, welche Datenströme am Arbeitsplatz einer Montageinsel (U-Zelle) entstehen, in einem mit Datenbrille gesteuerten Materialbereitstellungsprozess (Milk-Run) und durch ein Werkerassistenzsystem. Schnell wurde klar, dass vordergründig prozessbezogene Daten direkt oder indirekt Rückschlüsse auf die individuelle Leistungsfähigkeit und Auffassungsgabe von Beschäftigten ermöglichen. Ein großes Problem dabei: Durch die ständige Überwachung wächst die psychische Belastung.

Katharina Rönick / IAB TU Darmstadt

Bei dem Seminar an der TU Darmstadt Bei dem Seminar an der TU Darmstadt

Wie Betriebsräte mit der Gefahr umgehen können, dass sensible Mitarbeiterdaten erhoben werden, legte anschließend Michael Reinhart dar, Fachsekretär im Landesbezirk Hessen Thüringen der IG BCE. Die betriebliche Mitarbeitervertretung hat hier eine Reihe von Möglichkeiten. In einem ersten Schritt sollte ein Betriebsrat seine bereits bestehenden Informationsrechte umfassend nutzen, um über den Stand der Digitalisierung im Betrieb möglichst genau informiert zu sein. Weitere Handlungsmöglichkeiten eröffnen unter anderem das Betriebsverfassungsgesetz und das Arbeitsschutzgesetz.

Michael Reinhart erkärte den Teilnehmern, wie sich eine Betriebsvereinbarung zur Erhebung von sensiblen Mitarbeiterdaten mit Bezug zur Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und zum Bundesdatenschutzgesetz gestalten lässt.

In der Abschlussdiskussion kamen die Teilnehmer zu dem Schluss, dass trotz der bereits bestehenden Möglichkeiten ein eigenständiger und umfassender Beschäftigtendatenschutz erforderlich ist, den es so aktuell nicht gibt. Ebenso erschien es Ihnen fraglich, ob die Überwachungsrechte des Betriebsrats ausreichend sind.

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