Seminar

Industrie 4.0 verantwortungsbewusst begleiten

Digitalisierung und Industrie 4.0 greifbarer machen und Handlungsmöglichkeiten für Betriebsräte aufzeigen: Darum ging es bei einem Seminar, an dem rund 30 Betriebsrats-Mitglieder aus mittelständischen Unternehmen im Bereich der DGB-Mitgliedsgewerkschaften teilnahmen; 11 von ihnen kamen aus IG BCE-Betrieben. Zum ersten Mal hatten gemeinsan das Mittelstandszentrum 4.0, das Instituts für Arbeitswissenschaften der TU Darmstadt, der DGB, die IG Metall und die IG BCE zu so einem Seminar eingeladen. Konkret ging es bei dem Tagesworkshop am 6. November an der TU Darmstadt um das Beispiel Werkerassistenzsysteme und die damit verbundene Erhebung sensibler Mitarbeiterdaten.

Liv Dizinger, DGB

Seminar Mitarbeiterdaten als Herausforderung für die Betriebsratsarbeit in der Industrie 4.0 Seminar Mitarbeiterdaten als Herausforderung für die Betriebsratsarbeit in der Industrie 4.0
07.11.2017
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Nach Grußworten von Gabriele Kailing, Vorsitzende des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen erklärte ein wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Arbeitswissenschaften den Versammelten Grundlagen und Hintergründe zum Thema Industrie 4.0 und erleuterte die Bedeutung spezieller digitaler Assistenzsysteme in der Produktion. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen besichtigten die Prozesslernfabrik CiP der TU. Sie dient zum Erforschen und Demonstrieren neuer vernetzter Produktionstechnologien.

Näher beschäftigten sie sich unter anderem mit einem digitalen Shopfloor-Managementsystem, das Echtzeitdaten zur Produktion liefert und Produktionssteuerung sowie Personaleinsatz unterstützt. Weiterhin informierten sie sich über ein intelligentes Werkerassistenzsystem, das sich ergonomisch auf den Nutzer einstellt und zur Produktion verschiedenster Varianten Anleitung und Unterstützung liefert.

Im nächsten Schritt erarbeiteten die Betriebsrats-Mitglieder in Kleingruppen, an welchen Stellen beim Einsatz dieser neuen digitalen Produktionsmittel sensible Mitarbeiterdaten anfallen können und suchten Lösungsansätze zum Umgang damit. Einig waren sich die Versammelten, dass die Möglichkeiten, Daten zu erheben, nahezu unbegrenzt sind und es daher notwendig ist, als erste Handlungsoption eine Betriebsvereinbarung über den Datenschutz abzuschließen. Jürgen Klippert vom Vorstand der IG Metall stellte eine weitere Handlungsmöglichkeit für Betriebsräte vor: Sich über Gefährdungsbeurteilungen den neuen Techniken zu näheren.

Die Zusammenfassung und Bewertung des Workshops übernahm Michael Reinhart, Fachsekretär für Gute Arbeit, Demografie und Arbeitszeitgestaltung und in dieser Funktion auch verantwortlich für das Thema Industrie 4.0 im IG BCE Landesbezirk Hessen-Thüringen: „Digitalisierung und die gesehenen Assistenzsysteme haben großes Potential, Arbeit einfacher und sicherer zu machen sowie die Produktionsprozesse und die Qualität der Produkte zu verbessern. Sie können sogar Arbeitsplätze sichern, wenn sie zur Inklusion oder Unterstützung leistungsgeminderter Kolleginnen und Kollegen eingesetzt werden. Auf der anderen Seite stehen Risiken der permanenten Überwachung und Leistungsbeurteilung sowie die Bedrohung durch Dequalifizierung und Rationalisierung von Arbeitsplätzen.“ Gewerkschaften und Betriebsräte müssten aktiv daran arbeiten, die negativen Aspekte des digitalen Wandels einzugrenzen und diesen zu einer Humanisierung der Arbeit 4.0 zu nutzen. Michael Reinhart: "Es ist nicht alleine mit einer Betriebsvereinbarung zum Datenschutz getan. Die Arbeit des Betriebsrats muss vor der Einführung neuer Techniken und Methoden ansetzen. Dann gilt es, im Blick zu behalten, welche Daten tatsächlich erfasst und ausgewertet werden."

Damit die Betriebsräte überhaupt in der Lage sind, dieser Aufgabe nachzukommen, müssen sie selbst erst einmal Wissen zum Thema aufbauen. Helfen können dabei eine Reihe von gewerkschaftlichen Bildungsangeboten, über die sich die Teilnehmer zum Abschluss der Versammlung informierten.

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