Sozialpartner-Werkstatt

Der Mensch als Mittelpunkt der Arbeitswelt

Rund 30 Betriebsräte und Führungskräfte in Unternehmen der Chemischen Industrie haben beim der Sozialpartner-Werkstatt für Innovation und Nachhaltigkeit (So.WIN) Ende August 2017 in Wiesbaden unter anderem mit Wissenschaftlern diskutiert, wie sich die Arbeitswelt durch Digitalisierung und Industrie 4.0 verändern wird. Eingeladen hatten der IG BCE Landesbezirk Hessen-Thüringen und der Arbeitgeberverband HessenChemie. Eine entscheidende Aussage der Veranstaltung: Der Mensch wird auch in Zukunft Mittelpunkt der Arbeitswelt bleiben.

So.Win-Treffen

Teilnehmer beim So-Win-Treffen Teilnehmer beim So-Win-Treffen
19.09.2017
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"Digitalisierung ist kein Modewort, sondern Realität“, sagte Osman Ulusoy, stellvertretender Landesbezirksleiter Hessen-Thüringen der IG BCE. „Diesen Prozess müssen wir aktiv begleiten und dafür Sorge tragen, dass unsere Klientel nicht abgehängt wird“.

Professorin Sabine Pfeiffer, Soziologin an der Universität Hohenheim, fasste die Diskussion zur Digitalisierung auf globaler und auf nationaler Ebene zusammen: Lange Zeit sei die Botschaft verbreitet worden, die Industrie sei ein Auslaufmodell. Erst als der Begriff „Industrie 4.0“ aufkam, sei die Industrie in Deutschland wieder stärker in den Fokus der Diskussion gerückt. Die anfangs stark technisch geprägte Diskussion sei insbesondere durch den von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles angestoßenen Dialog-Prozess und das vom Ministerium veröffentlichte Weißbuch „Arbeiten 4.0“ um den Aspekt der Arbeitswelt bereichert worden.

Nach Ansicht von Sabine Pfeiffer ist der hohe Anteil an gut ausgebildeten Fachkräften in Deutschland eine solide Basis für die Veränderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt. Schon heute greifen gut ausgebildete Facharbeiter immer wieder steuernd in komplexe Arbeitsprozesse ein. Die duale Ausbildung und das im Arbeitsprozess erworbene Erfahrungswissen ließen sich nur schwer ersetzen, betonte sie. Einen massenhaften Arbeitsplatzverlust sieht die Wissenschaftlerin nicht, es werde aber Veränderungen in vielen Branchen geben.

Um die Interessen der Beschäftigten angemessen vertreten zu können, müssen auch die Arbeitnehmervertreter fit sein für Industrie 4.0. „Der Umgang mit Daten wird in einer digital vernetzen Arbeitswelt an Bedeutung gewinnen“, sagte Osman Ulusoy. „Auch die Betriebsräte müssen das notwendige IT-Know-How aufbauen, um ihre Aufgaben kompetent wahrnehmen zu können.“

Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands HessenChemie verwies auf die Möglichkeiten, die die technische Entwicklung der chemischen Industrie eröffnet. „Es gilt die Potenziale und Chancen der Digitalisierung für unsere Branche und ihre Beschäftigten zu nutzen“, sagte er. Besonders wichtig: Die Qualifizierung der Beschäftigen. „Bei den anstehenden Veränderungen wird die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter ein entscheidender Faktor sein.“

Damit die Entwicklung ein Erfolg wird, braucht es gemeinsame Anstrengungen beider Sozialpartner und einen Umgang miteinander auf Augenhöhe. Osman Ulusoy: „Das ist die Zukunftsaufgabe, die wir auf jeden Fall gewährleisten müssen, damit die Kolleginnen und Kollegen mit der Entwicklung mitgehen können, insbesondere diejenigen, die in Klein- und Mittelständischen Unternehmen arbeiten“

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