Initiative Gesundheitsindustrie Hessen

Erfolgreich ins Alter

Wie gehen Unternehmen der hessischen Gesundheitsindustrie mit älteren Beschäftigten um? Wie können sie die Kompetenz von Menschen erhalten, die Jahrzehnte lang bei ihnen gearbeitet haben? Wie lassen sich die Prozesse im Unternehmen so gestalten, dass Beschäftigte, die 10 bis 15 Jahre vor der Rente stehen als vollwertige Kolleginnen und Kollegen behandelt werden? Und mit welchen Arbeitszeitmodellen lassen sich Auszeiten schon von Beginn einer Berufstätigkeit an flexibel planen – sei es für eine Weltreise in jungen Jahren oder die Jahre vor der Rente? Mit diesem Themenfeld beschäftigte sich die Veranstaltung „Arbeit am Übergang zur dritten Lebensphase – Antworten der hessischen Gesundheitsindustrie.“ Rund 100 Teilnehmer waren auf Einladung der Initiative Gesundheitsindustrie Hessen (IGH) am 27. Oktober auf den HessenChemie-Campus in Wiesbaden gekommen.

Wolfgang Lenders

Veranstaltung „Arbeit am Übergang zur dritten Lebensphase – Antworten der hessischen Gesundheitsindustrie.“ Jan Oltmanns (Daimler AG), Volker Weber (IG BCE) und Sonja Lambert (AOK Hessen) mit Moderatorin Professor Victoria Büsch
30.10.2017
Artikel bewerten
Danke für die Bewertung
Ihre bereits abgegebene Bewertung wurde aktualisiert.

„Die Zahl von älteren Beschäftigten in unseren Branchen nimmt zu“, sagte Volker Weber, Landesbezirksleiter der IG BCE. „Das bedeutet, dass wir in der Praxis Maßnahmen brauchen, die diese Entwicklung berücksichtigen. Die Rücksicht nehmen auf die speziellen Bedürfnisse dieser Altersgruppe.“ Es müsse eine Entwicklung in der Branche geben, die gleichermaßen die Beschäftigung und die Standorte sichere. Den an der Initiative beteiligten Partnern gehe es außerdem darum, das Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, einen Dialog anzuregen. „Wir wollen zeigen, dass die Gesundheitsindustrie nicht nur ein wirtschaftlich starker Faktor für Hessen ist, sondern auch, dass wir die Diskussion über Themen, die gesellschaftlich relevant sind, unterstützen.“

Wolfgang Lenders

Veranstaltung „Arbeit am Übergang zur dritten Lebensphase – Antworten der hessischen Gesundheitsindustrie.“ Volker Weber, Landesbezirksleiter Hessen-Thüringen der IG BCE
Dirk Meyer, Hauptgeschäftsführer von HessenChemie betonte, wie wichtig es sei, dass die Akteure in der Gesundheitsindustrie miteinander sprechen. „Wir haben früh begonnen, uns mit diesen Fragestellungen zu beschäftigten“, sagte er. „Aber die Reise ist noch nicht beendet. Vieles muss neu erarbeitet, neu erprobt werden.“
Bei der Veranstaltung berichteten Vertreter unterschiedlicher Unternehmen über ihre Erfahrungen. Sonja Lambert von der AOK Hessen beschäftigte sich mit dem Thema „Altersbilder“. „Das Problem ist, dass die Mitarbeiter oft nicht mehr individuell gesehen werden mit ihren Stärken, Schwächen und Kompetenzen, sondern pauschal“, sagte sie. Viele Menschen seien aber gefangen durch das eher negative Bild, das von der Gruppe der älteren Mitarbeiter bestehe. „Wir brauchen neue Altersbilder, auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht heraus. Auf die Kompetenzen der Menschen zu schauen, das ist die Lösung.“
Ein Modell, wie sich Langzeitkonten zur individuellen Lebensplanung einsetzen lassen, stellte Fresenius vor. Unter anderem zeigt ein Rechner im Internet (unter www.fresenius-benefits.de) den Beschäftigten, wie sie mit Hilfe des im Tarifvertrag festgelegten Demografiebetrags und freiwilligen Zahlungen eine bezahlte Freistellung planen können; möglich sind Zeiträume von einigen Monaten bis hin zu mehreren Jahren.
Bei einer Podiumsdiskussion diskutierten die über die IGH verbundenen Partner, wie sich das Thema am besten gestalten lässt. Philipp Heßen, Personalleiter Deutschland bei Merck, wies etwa darauf hin, dass die erarbeiteten Ideen einen Mehrwert für die Unternehmen schaffen müssten. Daher würde er neue Programme mit Evaluationsstudien verknüpfen. „Erfolg muss messbar sein.“ Aus dem Publikum kam die Forderung an die Unternehmensvertreter, statt auf befristete auf unbefristete Arbeitsverträge zu setzen. „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels müssen wir die wenigen jungen Fachkräfte, die nachwachsen, auch langfristig an uns binden.“

Wolfgang Lenders

Veranstaltung „Arbeit am Übergang zur dritten Lebensphase – Antworten der hessischen Gesundheitsindustrie.“ Diskussionsrunde mit Vertretern der über die IGH verbundenen Partner
Volker Weber betonte, dass es darum gehe, dass der einzelne Mitarbeiter ein erfülltes Arbeitsleben hat. „Es kommt auf die Atmosphäre im Ganzen an, auf die Verschiedenartigkeit der Möglichkeiten, die wir den Menschen eröffnen.“ Es müsse für die, die das wollten, zum Beispiel die Möglichkeit geben, nach Eintritt in die Rente in Teilzeit weiter für das alte Unternehmen zu arbeiten. Für diejenigen, die sich gesundheitlich dazu nicht mehr in der Lage sehen, müsse es aber auch die Möglichkeit geben, beizeiten in den Ruhestand zu gehen. Und es müsse Angebote geben für diejenigen, die aus finanziellen Gründen weiterarbeiten müssten. „Da ist zurzeit ein riesiger Kulturwandel im Gange“, sagte Volker Weber. „Eine Durchdringung in jede Phase der Unternehmen ist aber noch nicht vorhanden.“ Er appelierte daher dafür, die Diskussion dort zu führen, wo die Belegschaft sie auch mitbekommt.
Die Initiative Gesundheitsindustrie Hessen (IGH) ist ein gemeinsames Projekt der Hessischen Landesregierung, Unternehmen der hessischen Gesundheitsindustrie, dem Landesbezirk Hessen-Thüringen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie sowie Vertretern aus Wissenschaft und Forschung.

Nach oben